Bewegung beginnt im Kopf

Der innere Schweinehund meldet sich oft genau dann, wenn Bewegung guttun würde. Wie man ihn überlistet, erklärt Sportpsychologin, Klinische und Gesundheitspsychologin Mag. Denise Salamon in MEINE GESUNDHEIT.

 

UNSERE EXPERTIN

 

Mag. Denise Salamon
Sportpsychologin
Klinische und Gesundheitspsychologin
Arbeits- und Organisationspsychologin

 
 

DER WICHTIGSTE SCHRITT: EINFACH BEGINNEN

Bewegung muss kein Extremsport sein. Spaziergänge, Tanzen oder sanfte Kräftigungsübungen zählen genauso. „Alles, was realistisch in den Alltag integrierbar ist, passt. Probieren Sie Verschiedenes aus, um herauszufinden, was Ihnen Freude macht“, rät Salamon. Mit Freude geht es schließlich doppelt so leicht.

Tipp: Welche Bewegung macht Ihnen Freude? Überlegen und gleich notieren!

GEMEINSAM GEHT ES LEICHTER

Für viele Menschen ist Bewegung in Gesellschaft der Schlüssel zum Erfolg. Ob Spaziergang, Kurs oder Verein: Wer sich verabredet, bleibt eher dran. „Ein fixer Termin mit anderen bringt Verbindlichkeit und Motivation“, betont Salamon.

Tipp: Verabreden Sie sich diese Woche bewusst mit jemandem zu gemeinsamer Bewegung!

ERSTE UNTERSTÜTZUNG FINDEN

Gerade zu Beginn sind Zweifel oder Hemmungen normal. Einsteiger- oder Schnupperkurse von Vereinen oder Fitnessstudios können helfen. „So lässt sich schnell herausfinden, welche Art der Bewegung wirklich Freude bereitet“, erklärt Salamon.

Tipp: Finden Sie heraus, welche Angebote es in Ihrer Nähe gibt, und probieren Sie eines davon aus!

WARUM DER SCHWEINEHUND SO HARTNÄCKIG IST

Wir Menschen lieben Gewohnheiten. Sie geben Sicherheit, Struktur und sparen Energie. Bewegung wird hingegen oft mental mit Anstrengung verbunden. „Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Alles, was nicht sofort angenehm erscheint, wird vom Gehirn erst einmal kritisch bewertet“, so Salamon. Gerade deshalb fällt der Anfang oft schwer.

Tipp: Machen Sie sich bewusst: Der Widerstand ist normal – und kein Zeichen von Schwäche!

VON „ICH MUSS“ ZU „ICH WILL“

Zu Beginn fühlt sich Bewegung oft wie eine Pflicht an. Mit der Zeit zeigen sich aber nach und nach die positiven Effekte wie bessere Stimmung, mehr Energie, körperliches und mentales Wohlbefinden oder besserer Schlaf. „Am besten, Sie führen ein Bewegungstagebuch und notieren, wie Sie sich nach der Bewegung fühlen“, rät Salamon. „So nimmt man die positiven Veränderungen noch stärker wahr – und läuft es einmal mit der Bewegung nicht so rund, schafft ein Blick auf das bisher Erreichte wieder neue Motivation.“

Tipp: Starten Sie gleich heute Ihr Bewegungstagebuch!

EIN TERMIN MIT SICH SELBST

Bewegung wird dann zur Gewohnheit, wenn sie einen fixen Platz bekommt. „Tragen Sie Bewegung wie andere wichtige Termine in den Kalender ein“, rät die Psychologin, die selbst als Flag-Footballerin im österreichischen Damen-Nationalteam aktiv war. Ein weiterer Tipp der Expertin: „Realistisch bleiben und den Perfektionsanspruch runterschrauben.“ Zwei Bewegungseinheiten pro Woche sind oft nachhaltiger als überambitionierte Pläne, die am vollen Alltag scheitern.

Tipp: Tragen Sie gleich heute einen Bewegungstermin für diese Woche im Kalender ein!

PAUSEN SIND KEIN RÜCKSCHRITT

Stressige Phasen, Krankheit oder ein voller Terminkalender gehören zum Leben – wichtig ist, Pausen nicht als persönliches Scheitern zu verstehen. „Rückschläge sind ganz normal“, erklärt die Psychologin. „Entscheidend ist, dass Bewegung nicht komplett verschwindet, sondern an die jeweilige Situation angepasst wird.“ An besonders anstrengenden Tagen darf man deshalb ruhig auf eine geplante Trainingseinheit verzichten, wenn der Körper deutlich signalisiert: „Jetzt brauche ich Ruhe.“

Tipp: Ein kleiner Kompromiss – wie etwa ein Spaziergang statt einer Sporteinheit – hilft, im Rhythmus zu bleiben!

MACHEN SIE ES SICH LEICHT

Motivation scheitert häufig an kleinen Hürden. Wer sich nach der Arbeit zuerst auf die Couch setzt, kommt schwerer wieder in Bewegung. „Je einfacher der Start, desto größer die Chance, dass man dranbleibt“, sagt Salamon.

Tipp: Noch heute Sportsachen vorbereiten oder direkt nach der Arbeit aktiv werden!

Fazit: Bewegung muss nicht perfekt sein. Starten Sie freundlich mit sich selbst und passend zu Ihrem Alltag. Denise Salamon: „Es geht nicht darum, den inneren Schweinehund zu besiegen, sondern ihm Schritt für Schritt weniger Raum zu geben.“


Text Claudia Drees

Fotos: iStock by GettyImages, privat
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